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Schlimmes Ende

So heißt nicht etwa die Prognose für die Menschheit der nächsten Jahre, sondern ein Jugendbuch von Philip Ardagh.
Schlimmes Ende, das ist das Haus, in dem die verrückten Verwandten des etwa 13 jährigen Protagonisten Eddie Dickens leben und in das er jetzt einziehen soll, weil seine Eltern eine komische Krankheit haben. Komisch, nicht nur wie „merkwürdig“, sondern auch wie „ich lach mich kaputt“.


Tatsächlich ist die derzeit fünfteilige Trilogie („Schlimmes Ende“, „Furcht erregende Darbietungen“, „Schlechte Nachrichten“, „Unliebsame Überraschungen“ und „Abscheuliche Angewohnheiten“) um Eddie Dickens eine der skurrilsten und komischsten Bücher, die mir untergekommen sind.
Ardagh hat einen sehr eigenen und total verrückten Schreibstil, in dem er sich des öffteren auch als Erzähler in der Geschichte bemerkbar macht.

Eddie Dickens muss im ersten Teil die Bekanntschaft mit seinem wahnsinnigen Onkel Jack und seiner noch wahnsinnigeren Tante Maud machen. Das „wahnsinnige“ stamt nicht von mir, sondern gehört zu der korrekten Bezeichnung dieser Personen, mit denen Eddie sie anspricht. Aber sie sind auch tatsächlich wahnsinnig… Eddies Eltern sind da nur etwas verrückt.
Die Geschichte spielt irgendwann, als es Kutschen und Gaslampen gab und das Eis noch neu erfunden war, aber es noch keine Autos oder Elektrizität gab.

Ein kleiner Ausschnitt aus dem 2. Buch kann den genialen Schreibstil des Autors wohl viel besser rüberbringen:

[Eddie wird morgens früh geweckt und soll zwei aufgebrachte Pferde, die mit einer herrenlosen Kutsche im Hof von Schlimmes Ende angekommen sind, beruhigen, damit der wahnsinnige Onkel Jack den Sarg, der aus der Kutsche hängt, wieder reinschubsen kann. Ich weiss, klingt komisch („komisch“ wie „merkwürdig“), ist aber so!]

„Eddie steckte beide Hände tief in seine Hosentaschen. In der einen war eine Mohrrübe und in der anderen eine Hand voll Zuckerwürfel. Na, so ein Glück! Wie stehen denn wohl die Chancen, dass man eine Mohrrübe und eine Hand voll Zuckerstücke in der Tasche hat, wenn man versuchen will, sich mit einem Paar verängstigter Pferde anzufreunden, welches vor einem Leichenwagen gespannt ist? In Eddies Fall standen die Chancen sogar ausgesprochen gut.
    Eddies Mutter, Mrs. Dickens (oder, für ihre Freunde, >>diese reizende Mrs. Dickens<<), sah Zuckerstücke immer noch als aufregende Neuerung, obwohl es sie bereits seit 1790 gab. Für sie waren sie eins der vielen Wunder des Zeitalters, wie z. B. Gasbelechtung. Nie wieder Kerzen! Einfach den Gashahn aufdrehen, das Gas anzünden und - he, presto! - strahlendes Licht. [...] Zuckerstückchen... Zucker in vollkommener Würfelform. Wie wird so was gemacht? Wer weiß? Warum wird es gemacht? Weil wir es können! Eddies Mutter liebte modernen technischen Schnickschnack und Zuckerstücke fielen in diese Kategorie. Erst unlängst hatte sie darauf bestanden, dass Eddie stets eine Hand voll bei sich trug.     Die Mohrrübe hatte einen praktischen Zweck. Mr. Dickens (Eddies Vater) fand, ein Junge in Eddies Alter sollte zum Schutz und zum Schnitzen immer ein Messer dabeihaben. Mrs Dickens fand, Eddie könnte sich damit schneiden, also wurde ein Kompromiss ausgehandelt. Stattdessen sollte Eddie zum Schutz und zum Schnitzen immer eine Mohrrübe dabeihaben. [...]

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