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Marie: Wie es begann

Dies ist Teil 1 von 5 der Serie "Marie".

Sarah und ich haben uns entschlossen. Wir brauchen eine Katze.

Eigentlich wissen wir das schon seit längerem, Sarah hat schon seit ihrer Kindheit eine Seelenverwandschaft mit Katzen, aber ich war mir nicht sicher, weil wir keine Auslaufmöglichkeiten haben, da unsere Wohnung in der ersten Etage ist. Ich finde, dass Katzen eigentlich einen Garten oder Hinterhof zum Auslaufen haben sollten. Außerdem sind Sarah und ich tagsüber nicht zu Hause.
Also überredete mich Sarah notfalls ein Katzenpärchen zu nehmen, da diese sich dann in unserer Abwesenheit gegenseitig unterhalten können und nicht vereinsamen.
Auch einigten wir uns darauf, dass wir es mit einer (oder zwei) Heimkatzen versuchen wollten, denn bei jungen Katzen muss man anfangs stets anwesend sein, um sie Stubenrein zu kriegen und um sie mehrmals am Tag zu Füttern. Also würde zu uns eine ältere Heimkatze eher passen, da ältere Katzen weit ruhiger sind und auch Anfangs nicht unsere ganztägige Anwesenheit brauchen.
Also machten wir uns am Samstag, dem 14. Februar auf den Weg nach Zollstock ins Tierheim, um uns die Katzen anzuschauen.

Die erste Katze, der wir begegneten, war in einem Aussengehege, auf dem Stand „Ich heiße Marie. Bitte nicht streicheln“. Marie kam direkt an ihr Gitter und schmuste mit dem Gitter, da ich sie ja nicht anfassen durfte. Das machte auf mich schon ein guten Eindruck.
Im Büro des Tierheims erklärten wir unser Anliegen, dass wir tagsüber nicht zu Hause wären, dass wir keine Auslaufmöglichkeit hätten, und daher eine passende Katze oder ein Pärchen, keine Freigänger, gerne auch etwas älter, haben wollten.

Viele Katzen waren nicht im Angebot, was ich gut finde. Denn dass bedeutet ja, dass die meisten bereits ein neues Zuhause haben. Aber wir hatten dann auch nicht so viel Auswahl. Die Katzenverantwortliche im Heim sagte uns, dass eigentlich für uns nur ein Pärchen in Frage kommen würde, welches wir uns anschauten. Es war ein sehr scheues Pärchen, das in einem kleinen Karantäneraum war. Die Katzen ließen sich nicht blicken, sondern verweilten in ihrem Korb. Sarah fand, dass es sehr schwierig werden würde eine Verbindung mit Katzen aufzunehmen, die so scheu sind und auch nicht von sich aus auf Menschen zugehen. Und wenn wir auch nicht ständig da sind, wäre es noch schwieriger.
Also war uns klar, das würde vorerst nicht passen. Sarah hatte im Vorfeld schon geklärt: „Die Katze muss sich uns aussuchen“. Und bei den beiden war das nicht der Fall. Und andere Katzen wurden uns nicht angeboten.

Gerade spielten wir mit dem Gedanken doch ein junges Pärchen von einem Tierzüchter zu kaufen, und wollten schon gehen, da fiel mir Marie wieder ein. Ich war davon ausgegangen, dass sie krank oder schon vergeben ist. Also fragte ich kurz nach: „Und was ist mit Marie?“.

Die Pflegerin erzählte uns, dass sie auf Grund ihrer Vorgeschichte bis jetzt immer schlecht zu vermitteln gewesen war. Quasi hatte man die Hoffung auf eine Vermittlung bereits aufgegeben. Marie, eine 12 Jahre alte, fitte brittisch Kurzhaar Katzendame mit Kuhfell, hatte ihren Vorbesitzer, eine ältere Dame, gebissen und war dem Tierheim eigentlich zum Einschläfern überlassen worden. Die Pfleger hatten es nicht übers Herz gebracht, sie einzuschläfern, also lebte sie seit etwa 4 Jahren im Tierheim. Damit sie nicht so vereinsamte, hatte sie ein eigenes Gehege im Freien bekommen.
Mich beeindruckte die Vorgeschichte nicht besonders, denn ich habe einige Katzen kennen gelernt, die wegen der falschen Behandlung oder Fehlern im Umgang aggressiv geworden waren. Ich hatte genauso erlebt, dass solche Katzen mit dem richtigen Umgang zu liebsten Schmusetieren wurden. Und ehrlich gesagt, einen besonders gefährlichen Eindruck hatte die schmusewillige Marie an diesem Tag nicht auf mich gemacht. Also entschlossen wir uns, Marie eine Chance zu geben. Sie hatte sich uns ausgesucht, denn sie war, als sie Sarah und mich gesehen hatte, direkt an ihr Gitter gekommen und wollte mit uns schmusen.
Eine weitere Pflegerin erzählte uns aber auch, dass sie persönlich immer vorsichtig mit Marie umgeht, da sie sehr launisch sein kann. Nun, das, fand ich, ist das Recht einer Katze. Wenn sie nicht will, muss man sie auch in Ruhe lassen.
Wir nahmen Marie mit. Kurz davor besuchte uns eine ältere Pflegerin im Büro. Wie sich heraus stellte war sie „die“ Pflegerin von Marie in den letzten Jahren gewesen. Sie konnte es kaum fassen, dass es jemand mit Marie versuchen und ihr eine zweite Chance geben wollte. Sie fragte mich auch, ob sie mich Anrufen kann, um sich nach Marie zu erkundigen.

So nahmen wir Marie bei uns mit etwas gemischten Gefühlen auf, denn was man uns erzählte war nicht ganz im Einklang mit dem, was wir sahen. Aber Sarah und ich sind, denke ich, sehr Katzengeeignet. Wir entschlossen uns, Marie erst einmal die Zeit zu geben, damit sie sich an ihr neues Umfeld gewöhnen kann. Im Klartext: In Ruhe lassen. Wenn Katzen spielen oder schmusen wollen, dann melden sie sich. Außerdem hatte Marie die letzen 4 Jahre im Tierheim verbracht. Sie ist sicherlich nicht mehr an ein Leben in der Wohnung mit Menschen gewöhnt. Und Katzen brauchen eine gewohnte Umgebung, um sich sicher zu fühlen.

Unterwegs randalierte Marie kein bischen, sondern mauzte lediglich. Wer mit seiner Katze in der Box zum Tierarzt fährt weiß, dass diese üblicherweise randalieren können, oder auch eingeschüchtert nix von sich geben und in die Box pinkeln. Aber Marie klagte lediglich, mit Recht, herum, verhielt sich aber ansonsten ruhig.

Zuhause ließen wir sie erst einmal aus ihrer Box. Wie erwartet, suchte sie sich erst einmal ein sicheres Plätzchen, nämlich unter dem Sofa m Wohnzimmr. War ja auch eine neue Umgebung, in der sie sich noch nicht sicher fühlte.

Mein Schwiegerpapa erzählte uns, dass er auch einmal eine Katze aus dem Heim hatte. Die hatte sich ganze 3 Tage unter der Kommode versteckt, bis sie sich zum ersten mal zeigte. So lange brauchte Marie nicht. Während des Tages war sie in ihrem Versteck, doch am morgen des nächsten Tages weckte mich um 6 Uhr ein Schnurren aus dem Schlaf. Marie hatte sich aus ihrem Versteck herausgetraut, ein bischen die Wohnung erkundet und uns laut schnurrend einen Besuch abgestattet.

Kurze Zeit später verschwand sie aber wieder in ihrem Versteck, wo sie jetzt gerade noch liegt.

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One Response to “Marie: Wie es begann” »»

  1. Comment by Toni | 16:58 15.02.09|X

    Find ich cool das ihr die Katze aufgenommen habt. Überlege auch ständig ob ich mir eine zulegen soll aber aus o.g. Gründen (einsame Katze, kein Auslauf, was ist wenn ich im Urlaub bin etc) hab ichs bisher auch noch nicht gemacht. Wünsche euch viel Glück mit eurem neuen Mitbewohner :)

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