Schon vor geraumer Zeit interessierten sich einige Freunde für das Fach künstliche neuronale Netze (KNN), welches ich während meines Studiums belegte. Die Tatsache, dass die KNN einen wichtigen Beitrag zum Fachgebiet der künstlichen Intelligenz (KI) bei steuerte, sowie dass die KNN auf Modellen des menschlichen Gehirns aufbauen, machte das Thema zu einem Stein der Weisen. Doch sind KNN wesentlich deterministischer als manch einer zuerst glauben mag.
Um dem auf den Grund zu gehen, muss man jedoch zuerst eine Unterscheidung verschiedener Typen von KNN treffen. Die beiden bekanntesten Typen sind die multi layered Perceptrons, kurz MLP, und die Selforganizing Maps, kurz SOM oder auch Kohonen Map genannt.
Zuerst will ich etwas zu den MLPs erzählen, welchen einfachere mathematische Grundprinzipien zugrunde liegen.
MLPs basieren auf einer Regression, deren einfachste Form die (Gaussche) Methode der kleinsten Quadrate ist. Dabei soll eine Gerade gefunden werden, welche zu allen Punkten einer Punktemenge minimalen Abstand hat.
Denn diese gilt es insgesamt zu minimieren, so dass die Gerade im Idealfall zu allen Punkten einen möglichst geringen Abstand hat. Mit der Minimierung des Abstandes befindet man sich denn auch mitten in einer Regression, bei der es im allgemeinen darum geht, eine Funktion an gegebene Daten anzupassen.
Im Falle der geraden geht es wie folgt weiter: Die Gerade ist durch eine Geradengleichung mit zwei Unbekannten m (Steigung) und b (y-Achsen Schnittpunkt) bestimmt: m*x+b. Durch Augenmaß wurden Werte für m und b festgelegt. Für die Summe der Abweichungen zwischen vorliegenden Daten und den entsprechenden Punkten auf der Geraden wird aber noch das Quadrat der Abstände gebildet. Damit werden zum einen Vorzeichenprobleme gelöst (Punkte unterhalb der Geraden haben einen negativen, oberhalb einen Positiven Wert, der sich leicht aufheben könnte), zum anderen werden die Abstände verschieden gewichtet (größere Abstände werden weiter vergrößert und fallen daher mehr ins Gewicht). Die Summe der quadrierten Abstände hat dann die Form
. tp bezeichnet den vorliegenden Wert bei x=p, yp den entsprechenden Punkt auf der Geraden bei x=p.
Um nun den Abstand zu minimieren, suchen wir, mit der Sprache der Analysis, ein Minimum. Bekannter maßen führen die Nullstellen der ersten Ableitung einer Funktion zu ihren Extremwerten. Aber auch mit einer numerischen Methode, bei der man lediglich die Parameter m und b Schrittweise ändert und nur diejenigen Änderungen behält, welche zu einer Verkleinerung des Abstandes führten, kann das Minimum bestimmt werden.
Wo bleibt nun das KNN? Nun, angenommen, wir haben für das Beispiel oben eine Gerade gefunden, welche minimalen Abstand zu allen Punkten bietet.
| Dann hat sie die Form m*x+b. Dies ist auch zugleich das einfachste KNN mit zwei Eingängen und einem Ausgang. | ![]() |
Formal betrachtet beschriebt das rechte KNN eine einfache Gerade. Noch formaler betrachtet beschreiben MLP lediglich eine Funktion, die aus verschiedenen einfachen Bausteinfunktionen aufgebaut werden.
Das obere MLP wird wie folgt evaluiert: An den linken Eingang (die Eingänge befinden sich stets unten) wird konstant der Wert 1 angelegt. Diese besondere Form eines Eingangs wird BIAS genannt. Der zweite Eingang erhält den x Wert, zu dem wir das Passende y suchen. Anschließend wandern die Eingaben durch das Netz (nach oben). An jeder Verbindung (Kante) wird der jeweilige Wert mit einer Zahl, das Kantengewicht, multipliziert. Das Gewicht der linken Kante entspricht dem b, das der rechten dem m. Auf diese Weise wird die 1 des BIAS mit b und das x des anderen Eingangs mit dem m multipliziert und beide Werte gelangen zum Ausgang. Hier werden sie zusammen addiert und am Ausgang somit 1*b+x*m ausgegeben.
Das kleine Netz repräsentiert also nichts anderes als eine Geradengleichung und kann durch numerische Algorithmen einer Datenmenge angepaßt werden.
Prinzipiell handelt es sich aber auch um einfache gerichtete und gewichtete Graphen, wie man sie aus der Graphentheorie kennt.
Im nächsten Teil werde ich noch genauer in die Welt der MLP eindringen und auch die parallelen zur Neurobiologie aufzeigen. Auch ein eigener Teil zum Thema SOM ist geplant. Bilder von einem Kurs über neuronale Netze.







