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Endlich Nichtraucher – Tag 2

Dies ist Teil 3 von 7 der Serie "Endlich Nichtraucher".

22. Juni 2007, Freitag.

Bis Mittags war der Tag weit aus angenehmer als der Gestrige. Die Sonne scheint, der Sucht-Hunger ist minimal. Er ist heute morgen nur ganz latent im Hintergrund und ich bin glücklich darüber, denn gestern fand ich es sehr schwierig. Gleichzeitig frage ich mich: War’s das schon?

Habe auch heute insgesamt mehr gegessen. Carr warnt davor, aber ich sehe es etwas weniger eng. Mit mehreren Kilo Übergewicht, die ich jetzt schon habe, muss ich demnächst sowieso daran arbeiten und ich habe ja auch schon als Raucher abends zuviel genascht. Aber mir ist es erst einmal wichtiger die Zigaretten aus meinem Leben zu verbannen. Sie erscheint mir als das größere Übel.

Am Mittag musste ich wieder einige Male mit mir selbst diskutieren, wieso ich jetzt nicht einfach eine Rauchen kann. Man kommt sich dabei manchmal recht dumm vor. Auf der einen Seite hat man einen Entschluß gefaßt, der logisch vollkommen begründet ist. Aber gleichzeitig ist da etwas in einem, das immer wieder dazu Antreibt, diesen Entschluß über Bord zu werfen.
Immer wieder fällt mir das Rauchen ein: Wenn ich auf die Toilette gehe erscheint blitzartig das Bild vor meinem Geist, das ich danach vor die Tür gehe und eine Zigarette rauche bzw. dies tun muß, denn so war es bis gestern. Aber der Hunger ist immer noch vergleichsweise klein und mein Entschluß fest.

Gegen Feierabend werde ich wieder etwas unruhiger. Halb so schlimm, das Wochenende kommt. Zuhause angekommen ertappe ich mich beim Gedanken, dass der ganze Tag nur dazu da war, damit ich mir gleich eine Zigarette anstecken kann, quasi als Belohnung. Als hätte ich den Ganzen Tag darauf verzichtet, nur um jetzt eine Zigarette zu rauchen, so wie es Raucher häufiger tun, wenn sie einige Stunden am Stück entbehren müssen, wie etwa im Kino oder auf einer Veranstalltung. Kaum zu glauben, wie sehr die Sucht mich noch beherrscht, obwohl der Hunger bereits sehr abgeschwächt ist.

Beim Nachdenken über die Entzugserscheinungen von gestern ist mir wieder folgendes Eingefallen: Vor einigen Jahren machte ich mit zwei Freunden eine Wandertour. Da wir keine erfahrenen Wanderer waren, unterschätzten wir die Strecke von mehr als 20 km quer durch Gebirge und Wald. Aber während der ganzen Wanderung, für die wir den ganzen Tag brauchten, habe ich und eine der beiden Freunde (auch Raucher) keine einzige Zigarette geraucht und auch nicht wirklich das Bedürfnis danach gehabt. (Es hätte sicherlich auch nicht geklappt, soviel zu wandern und dabei eine Kippe zu rauchen. Da hätte ich keinen Millimeter Puste gehabt.) Das waren mehr als 10 Stunden anstengender Tätigkeit ohne Rauchen. Und ohne Schmacht. Daß ich gestern soviel Schmacht hatte, kann also nicht wirklich durch die Nikotinsucht an sich begründet sein. Es muß psychischer Natur gewesen sein. Carr beschreibt dies als die stärkere Suchtkomponente. Sie kann nur besiegt werden, indem man sich Ihrer bewußt wird.

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