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Endlich Nichtraucher – Tag 1

Dies ist Teil 2 von 7 der Serie "Endlich Nichtraucher".

21. Juni 2007, Donnerstag.

Ein ständiger, anfangs leichter Hunger, der später noch weit stärker werden soll, tummelt sich in meinem Bauch, obwohl ich gerade eben gefrühstückt habe. Es ist die Sucht nach der Zigarette, die sich meldet, der Hunger nach Nikotin und einer Zigarette, einem echten Hunger oder Durst nicht unähnlich.

Ständig kreisen meine Gedanken um Zigaretten und das Rauchen. Nein, ich will nicht mehr. Ich will wieder frei sein. Ein Teil in mir versucht dies zu verhindern. Carr nennt es die Bestie, die sich aus leichter Nikotinsucht und starker, größtenteils selbst implizierter Gehirnwäsche zusammensetzt (Raucher sind sehr gut im sich selbstbelügen). Immer wieder muss ich mit mir selber diskutieren, wieso ich jetzt nicht „einfach“ eine Zigarette anzünden kann, um diesen Hunger zu stillen. Ganz einfach: Weil es dann nicht bei dieser Zigarette bleiben wird. Ich muss es mir selber immer wieder vor Augen führen:

Ich habe die Wahl: Entweder quäle ich mich ein paar Tage mit Entzug, oder den Rest meines Lebens mit Zigaretten und damit mit Halsschmerzen, Nervösität, Schleim im Rachen, ekelhaftem Gestank und Geschmack, Kurzatmigkeit, Demotivation, Selbstbetrug. In naher Zukunft sicherlich auch mit weiteren Krankheiten und schlimmerem.

Apropos Hunger: Mir ist auch aufgefallen, dass ich in letzter Zeit öfter mal keine ausreichende Befriedigung durch die Zigarette hatte, auch wenn ich zwei Stück hintereinander rauchte und meine Lungen kaum noch Sauerstoff kriegten. Das Gefühl, immer noch nicht satt zu sein, war dennoch da. Naja, nicht so stark, wie beim Entzug, aber dafür ständig. Auch damit hatte Carr recht. Eine Sucht wird immer schlimmer und stärker, nicht besser. Bald ist sie so stark, dass selbst das Rauchen einer Zigarette die Symptome nicht aufhebt. Also: Ein für alle mal weg damit.

Zwischendurch war der Drang besonders stark: ich hatte eigentlich den ganzen Tag auf der Arbeit Schwierigkeiten mit der Konzentration (weil ich vom Entzug abgelenkt war). Glücklicherweise standen noch ein paar weniger anspruchsvolle Fleißarbeiten an, die ich gemacht habe. Ein paar Stunden vor Feierabend konnte ich kaum noch still auf meinem Stuhl sitzen: Auf der einen Seite total unkonzentriet, auf der anderen Seite aber total hibbelig und aufgekratzt. Normalerweise würde ich etwa jede Stunde einmal von meinem Platz aufstehen, den Kaffee in meinem Körper wegbringen und danach vor der Tür eine bis anderthalb Zigaretten rauchen.

Abends zuhause ist es besser. Ich koche gemütlich zu Abend und genehmige mir nach der Hauptmahlzeit (die mich eigentlich satt gemacht hat) noch einiges an Schokolade und Weingummi. Langsam fühle ich mich auch satt.
Dabei wiederstehe ich allen Versuchungen: Meine Freundin raucht, so wie auch ihre Mama. Aber komischerweise war der Tag auf der Arbeit, wo außer mir keiner rauchte, viel schwieriger als der Abend zuhause, wo eigentlich alle rauchen. Vielleicht, weil auf der Arbeit mehr Stress angesagt ist, oder weil es mich einfach in meinem Vorhaben bestärkt, wenn andere neben mir rauchen.

Die stärkste Erleichterung verschafft mir das Anschmiegen und Schnuppern an meiner Freundin. Das entspannt mich und hilft gegen das Gefühl der inneren Leere. Liebe ist doch die beste Medizin.

One Response to “Endlich Nichtraucher – Tag 1” »»

  1. Comment by Ann | 16:06 05.07.07|X

    Lieber Serhat,

    von mir als Immer-Nichtraucherin wünsche ich Dir, dass du durchhältst und nie den Wunsch bekommst, es in deinen Mund zu nehmen.

    Früher schenkte ich dasselbe Buch und auch noch Fortsetzung dazu „Für immer Nichtraucher“ jemandem auch. Es hat damals geholfen.
    Mein Vater, als er noch jung war, hat auch sehr sehr viel geraucht, und das war damals bestimmt ohne jegliche Filter, denke ich. Irgendwann zum Silvester sagte er sich: Bin ich ein Mann mit dem starken Willen? Dann höre ich auf!
    Seit dann hat er keine Zigarette mehr angerührt.

    Die stärkste Erleichterung verschafft mir das Anschmiegen und Schnuppern an meiner Freundin. Das entspannt mich und hilft gegen das Gefühl der inneren Leere. Liebe ist doch die beste Medizin.

    Das hast du sehr schön gesagt.

    Halt durch und willkommen im Club!:)
    Lieben Gruss
    Anna

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