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Endlich Nichtraucher – Tag 0

Dies ist Teil 1 von 7 der Serie "Endlich Nichtraucher".

20. Juni 2007. Ich habe es beschlossen: Ich will mit dem Rauchen aufhören.

Schon seit längerer Zeit empfinde ich es als eine sich steigernde Qual zu Rauchen.

Auf der Arbeit (ich bin seit zwei Monaten neu dabei) sitzen 4 Kollegen, die einst rauchten und es geschafft haben, damit aufzuhören. Darunter Kollegen, die mehr als 10 Jahre geraucht haben. Und alle hatten sie noch etwas gemeinsam: Sie hatten das Buch „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr gelesen, das ihnen beim Entwöhnen half. Eine Bekannte (sie ist, so wie ich, eine starke Raucherin.) hat zufällig ein Exemplar dieses Buches zuhause im Regal, welches ich mir ausleihe.
Wenn es soviele Kollegen geschafft haben, werde ich es auch schaffen.

Ich rauche im Durchschnitt etwa 20 Zigaretten pro Tag: Morgens, nach dem Zähneputzen rauche ich meine erste Zigarette. Da am Morgen der Nikotinspiegel noch sehr weit unten ist, folgt die nächste Zigarette 5 Minuten später beim Warten auf den Bus, mit dem ich etwa 5 Stationen fahre. Anschließend wechsle ich zur DB. Davor wird natürlich noch eine geraucht.
Mit bereits 3 Zigaretten im Blut läßt sich die 40 minütige Bahnfahrt recht gut ertragen. Anschließend wieder Wechsel auf die Stadtbahn, lediglich 4 Stationen. Dann stehe ich schon vor dem Gebäude, in dem ich Arbeite. Bevor ich reingehe wird noch eine Zigarette geraucht.
Ab hier wird etwa jede Stunde bis jede anderthalb Stunden eine Zigarette geraucht. Abends zu Hause ebenfalls. Bei etwa 17 Wachstunden am Tag kommt in etwa auf jede Stunde eine Zigarette. Später habe ich bei Carr gelesen, dass dies u. a. an der Abbauzeit von Nikotin im Körper liegt: Nach einer Stunde ist der Nikotinspiegel im Körper fast wieder geviertelt und die Sucht ruft.


Also: Carr behauptet, es sei ganz einfach, mit dem Rauchen aufzuhören. Man muß nur sein Buch lesen (oder eines seiner Seminare besuchen). Nette Behauptung. Aber ich habe ja auch nichts zu verlieren. Also lese ich zuerst einmal das Buch. Vielleicht hilft es ja.

Carr, selber etwa 30 Jahre Raucher mit bis zu 100 Zigaretten am Tag gewesen, beschreibt, dass er eine neue und sehr wirksame Methode entwickelt habe: „The easy way“, der einfache Weg. Er basiert u. a. auf Aufklärung. Carr argumentiert wie folgt: Raucher rauchen nur aus einem einzigen Grund: die Sucht. Alles andere daran ist gelogen, so wie z. B. das man Zigaretten genießt. Unsinn, sagt Carr, wie kann man etwas genießen, dass so schlecht schmeckt und riecht, das denjenigen, die es zum ersten mal ausprobieren übel davon wird. Und wenn es ein Genuß wäre, warum rauchen dann Raucher immer wieder und weiter, ohne dabei eine Pause machen zu können? Wenn man etwas genießt, ist man nicht abhängig davon.

Tatsächlich genießt man beim Rauchen lediglich das Abmildern der Entzugserscheinung, die durch das Rauchen selber verursacht werden.

Insgesamt argumentiert Carr gegen jedes von Rauchern aufgeführte Argument für das Rauchen, bis alle zerfallen und es ganz klar und offensichtlich ist: Es gibt keine pro Argumente für das Rauchen, Raucher rauchen, weil sie süchtig sind.
Darüber hinaus hat das Rauchen aber sehr, sehr viele Nachteile. Zum Beispiel wären da neben der bekannten Liste von Gesundheitsschäden eine große Menge unterbewußter psychischer Schäden. Einige davon waren mir vor diesem Buch nicht klar. Carr führt diese sehr deutlich auf.

Daraus ergeben sich folgende zwei Möglichkeiten: Entweder man raucht und quält sich sein Leben lang weiter, oder man versucht und schafft es, die Sucht zu überwinden und ist frei.

Das Überwinden der Sucht wird recht deutlich geschildert. Beim Easy Way kommt es vor allem auf folgende Dinge an:
1. Man muss den Entschluß fassen und nicht daran zweifeln. Das ist auch nicht so schwer, wenn man sich die Argumentation von Carr im Hinterkopf behält.
2. Man darf kein „Trübsal blasen“. Soll heißen, man muss die richtige Einstellung zum Aufhören entwickeln. Es gibt nichts, das einem eine Zigarette geben kann. Das Leben ohne Zigarette, die Freiheit, ist wesentlich besser. Man darf also der Zigarette nicht nachtrauern.
3. Man darf nie wieder eine Zigarette oder etwas anderes Nikotinhaltiges nehmen. Carr bläut dies ganz deutlich ein: Ein Zug an einer Zigarette und es ist vorbei. Genau so fängt die Sucht an.

Das Buch entmystifiziert die Zigarette und die damit einhergehende Sucht.

Ich lese etwa ein bis zwei Kapitel pro Abend. Bereits nach den ersten paar Kapiteln festigt sich mein Entschluß, mit dem Rauchen aufzuhören. Dann, einige Kapitel später, habe ich bereits (ohne das Zutun des Buches) wieder Zweifel, ich spüre den inneren Konflikt: „Ich will aufhören“ gegen „ich brauche noch eine Zigarette, um dieses unangenehme Gefühl loszuwerden“. Doch dank Carrs Verdeutlichung der Tatsachen ist mir nun bewußt: Das Verlangen stammt von der Zigarette und wird nicht durch sie aufgehoben. Ein Entzug wird vielleicht anstrengend, aber nur für einen kurzen Zeitraum. Danach werde ich nie wieder dieses Verlangen nach Zigaretten spüren.

Am 19. Juni bin ich durch. Carr hat meinen ursprünglichen Entschluß geformt und verstärkt.

Wann höre ich auf? Sofort? Am nächsten Tag habe ich eine Art Mitarbeitergespräch. Wäre schon blöd, wenn ich da mit Entzugserscheinungen, die ich erwarte, sitzen würde.
Also: Um einen Tag aufgeschoben. Am 20. Juni, Mittwoch Abend rauche ich meine letzen Zigaretten.

2 Responses to “Endlich Nichtraucher – Tag 0” »»

  1. Comment by Nichtraucher | 0:05 09.02.08|X

    Ich weiss nicht, wie man 100 Zigaretten pro Tag rauchen kann.Trotzdem wirklich eine Ironie, dass gerade Allen Carr an Lungenkrebs starb. Zu jeder Methode, egal ob Buch, Spritze, Hypnose, Pflaster, Kaugummi gehört auch immer eine Menge „Eigenwillen“. Nie vergessen :)

  2. Comment by Secco | 11:42 18.02.08|X

    Hi, ich hab’s ja auf 1 Bigpack pro Tag gebracht, was ca. 20 Zigaretten sind. In der Wachzeit (ca. 16 Stunden) sind das pro Stunde etwas mehr als 1 Zigarette. Ich denke bei 100 Zigaretten wären das ja etwa 6 Stück pro Stunde oder 1 Zigarette alle 10 Minuten. Variante: Immer wieder zwei hintereinander (Rauchzeit 10 Minuten), dann 10 Minuten Pause.
    Ich weiß nicht ob das mit den 100 stimmt, aber ich habe Leute kennengelernt, die es auf 2-3 Packungen pro Tag gebracht hatten. Das ist glaub ich abschreckend genug.

    Und das mit dem Willen stimmt natürlich. Wenn man nicht aufhören will, hört man auch nicht auf.
    Das Buch hilft einem aber auch, sich über das sichselbstbelügen hinwegzukommen. Letztlich kauft man sich ein Buch „Endlich Nichtraucher“ ja nicht, weil man nicht damit aufhören möchte :)
    Daher hat das Carr-Buch doch recht gute Chancen.

    Ãœbrigens danke für den Link.

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